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Arbeitsplätze durch Kleidung

16.12.2011

Zum Fernsehfilm „Die Altkleiderlüge“, der gestern wieder gezeigt wurde: Second Hand schafft Arbeitsplätze. Mehr als 25.000 Arbeitsplätze sind in Mosambik durch HUMANA Kleidung aus Europa geschaffen worden. Im Verkauf, bei Schustern und bei Änderungsschneidern.

Unser Partner ADPP Mozambique beschäftigt 470 Mitarbeiter/innen in Sortierung und Verkauf, 4.872 Kleinstunternehmer/innen kaufen die Kleidung und Haben 22.000 Arbeitsplätze im Weiterverkauf geschaffen, von denen die jeweiligen Familien ernährt werden. 3.300 lokale Schneider und Schuster verdienen ihr Auskommen durch das Ausbessern der gebrauchten HUMANA Kleidung. (1)

Der Beschäftigungseffekt der gebrauchten Kleidung hat große Bedeutung für die Menschen in Mosambik, denn die Arbeitslosigkeit beträgt 60%. (1)

Gelegentlich werden wir gefragt, ob der Versand der gebrauchten Kleidung nicht die heimische Textilindustrie gefährde.

Wissenschaftliche Studien haben belegt, dass durch gebrauchte Kleidung mindestens so viele Arbeitsplätze geschaffen werden, wie durch eine Textilindustrie geschaffen würden. (2) (3) Gebrauchte Kleidung ist sehr arbeitsintensiv, weil kein Stück dem anderen gleicht.

Es stimmt, dass in der Textilindustrie weltweit viele Arbeitsplätze verloren gegangen sind. Dies liegt vor allem an der Automatisierung. Die neue Kleidung wird weltweit von immer weniger Beschäftigten produziert. (4)

Auch ist der Ausdruck ‚heimische‘ Textilindustrie irreführend. Die Produktion von Textilien findet rund um den Globus statt, Produktionsstätten wechseln die Standorte in atemberaubendem Tempo. In armen Ländern findet die Produktion meist in Sonderwirtschaftszonen statt, die Rohmaterialien wie Stoffe und Garne werden importiert, die fertige Kleidung wird exportiert in die zahlungskräftigen Länder, d.h. nach Westeuropa oder in die USA. (5)

In der Hoffnung, die Ansiedlung von Textilfabriken würde eine allgemeine Industrialisierung nach sich ziehen, werben Regierungen ausländische Investoren mit Steuerfreiheit und niedrigsten Mindestlöhnen, mit der Finanzierung von Infrastruktur, ja sogar mit mietfreier Bereitstellung von Fabrikgebäuden. So auch in Afrika im letzten Jahrtzehnt. Oft wurden die Standorte schon nach wenigen Jahren wieder in andere Länder verlagert. (5)

Aber nicht nur die Anzahl der Arbeitsplätze zählt – es ist auch wichtig, die Qualität der Arbeitsplätze zu betrachten. Ein Wort daher zur Textilindustrie: sie schafft – soweit überhaupt – Arbeitsplätze im städtischen Umfeld, mit niedrigsten Löhnen und erdrückenden Abhängigkeiten. Second Hand Kleidung und Landwirtschaft hingegen bieten den heranwachsenden Kleinunternehmern des Landes Arbeitsplätze, in denen sich ihr Engagement lohnt.

(1) ADPP Mozambique: ‚ADPP Second Hand, Annual Report 2010‘

(2) Eckhardt et al. 1998: „Altkleiderexporte“. Kurzgutachten im Auftrag des BMZ, LUSO-Consult GmbH, Hamburg. Gutachten E5029-1/1997. S.11, Fazit der Kurzzusammenfassung: „Eine schädliche Wirkung der Altkleider-Importe auf die Textil- und Bekleidungsproduktion und den Arbeitsmarkt kann in den drei untersuchtzen Ländern [Benin, Ghana und Kamerun] nicht festgestellt werden“.

(3) Schweizerische Akademie für Entwicklung: ‚Gebrauchtkleider: Export, Sozialverträglichkeit und gesellschaftliche Akzeptanz‘. Studie im Auftrag der schweizerischen Arbeitsgemeinschaft TEXAID, 2003.

(4) Rivoli, Pietra 2005, „Reisebericht eines T-shirts. Ein Alltagsprodukt erklärt die Weltwirtschaft“, dt. 2006. S. 210-212.

 

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